1. Campo – Lake Morena

Nachdem wir unsere Körper die letzten Tage in San Diego noch mit Junkfood und weiteren kulinarischen Schweinereien stählen durften (der Vorrat könnte ja noch überlebenswichtig werden^^), wuchteten wir diese am 16. März endlich in den gecharterten PCT-Shuttlebus, der uns an den Ausgangspunkt des Pacific-Crest-Trails bringen sollte. Mit uns fuhren eine wahnsinnig aufgeregte Kanadierin, ein schweigsamer älterer Amerikaner und ein Däne namens Søren. Die Fahrt dauerte 2 Stunden und wurde mit lustigen Späßen des Fahrers begleitet („Achtung, Border Police! Alle Europäer die Köpfe runter!“). Ein Europäer tat es tatsächlich… 🙂 Es war schon alles sehr spannend. Man plant dieses Abenteuer mehrere Monate oder länger ( Søren 4 Jahre!) und dann geht es plötzlich los. Direkt am Startpunkt trafen wir dann auf weitere Wanderer, mit denen das Smalltalk-Thema Nummer 1 auf dem PCT sofort angegangen wurde: „Wieviel wiegt dein Rucksack so?“ Und dann der beschämt frustrierte Gedanke: „Verdammt, was habe ich falsch gemacht? Die Powerbank kann es nicht sein… 🤔“ Nach den obligatorischen Foto-Shoots am Startpunkt lernten wir noch kurz Marvin aus Rottweil kennen. Da er allerdings weitaus schmaler, jünger und sportlicher erschien, gehe ich fest davon aus, ihn nie wieder zu sehen. Wir suchten also das erste Wegzeichen, folgten diesem, trafen kurz danach auf einer kleinen Wiese auf Holger aus Heidelberg und dann ging es tatsächlich los. Die Landschaft zeigte sich direkt viel schöner als erwartet. Zwischendurch trafen wir eine Familie mit (und jetzt Obacht!) 3 kleinen Kindern, die den Trail ebenfalls laufen. Zumindest so weit die Kinder es schaffen. Søren trafen wir auch wieder. Er hat sich als unser erster Hike-Buddy entpuppt, abends schlug er sein Zelt an dem gleichen Platz auf wie wir und wir aßen gemeinsam zu Abend. Und dann kam der Oha-Effekt des Tages. Søren hatte ich die ganze Zeit als älteren Opi betrachtet, auf den wir ein bisschen Acht geben könnten und der exakt so aussieht wie Petterson aus den Kinderbüchern. Als ich ihn im Laufe des Gesprächs irgendwann fragte, ob er wüsste, wie man eine Eisaxt benutzt (klassisches Thema hier neben Rucksackgewicht) musste er lachen und sagte „Yes“. Er leitete nämlich in den 70ern mehrere Forschungsexpeditionen in Grönland und war leidenschaftlicher Eiskletterer. Was soll ich sagen… Søren verlor sofort jegliche Petterson-und-Findus-Haftigkeit bei mir. Ich hoffe jetzt eher, er kümmert sich um mich, falls es mal schlecht laufen sollte. Auf alle Fälle zeigt er uns den richtigen Umgang mit einer Eisaxt, wenn es in den ersten Schnee geht 🙂

Ich präsentiere: „Sterni“, der mir vom Kinderhospiz Sterntaler am Ende meiner Zeit dort als Wanderbegleitung überreicht wurde. Immer wenn von nun an ein Bild von Sterni erscheint, haben wir eine 100 km-Marke geknackt und die Challenge-Spender wissen Bescheid. 🙂

Nach einer sehr langen und bitterkalten Nacht ging es dann heute weiter an den Lake Moreno. Die größte Herausforderung der ersten Tage stellt das Planen des Wasservorrats dar. Man muss immer gut überlegen, wieviel gerade genug ist, um nicht zu dehydrieren und wann es zuviel wird und man unter dem Gewicht fast zusammenbricht. Für all das gibt es den „Water Report“ und die App „Far Out“, in der Wanderer angeben, ob eine Quelle Wasser führt oder ausgetrocknet ist. Findet man eine, wird sofort der Wasserfilter ausgepackt und alle Flaschen und Soft-Bottles werden wieder aufgefüllt. Am besten macht man auch an jeder Quelle einen sogenannten „Camel-Up“, also soviel trinken wie man nur kann. 🐫 Den zweiten Tag beschreibe ich ein wenig schneller. Es war sehr warm, die Landschaft ähnlich wie gestern, nur ging es ein bisschen mehr bergauf. Zwischendurch habe ich einen nicht ganz so smarten Wanderer gesehen, der einen Strommast hoch geklettert ist um oben „Yeah!“ zu schreien. Kids…

Abends saßen Anna, Søren und Larissa aus Österreich (mit der ich mich schon im Dezember zum gemeinsamen Wandern verabredet hatte) und ich im Diner von unserem Campingplatz am Lake Morena und freuten uns über die besten Burger der Welt. Zumindest für heute…

Breaking News: Gerade als ich die Zeilen hier schreibe, hör ich plötzlich folgendes Tier und flüchte ins Zelt. Ich glaube tatsächlich, es ist ein Koyote… 🤔 Und ich dachte, der krasseste Wildlife-Moment heute wäre die Vogelspinne gewesen, die bei der Mittagspause über meinen Bauch krabbelte und sich als kleiner Käfer entpuppte 🙂

Hört selbst 👀

9 Kommentare

  1. Papa sagt:

    Ich liebe deine Berichte und freue mich jetzt schon auf die nächste Folge! Dein Schreibstil und Humor sind spitze!

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  2. Hanna sagt:

    Toll !!!! Ich fiebere richtig mit! Und deine Imitation eines Kojoten ist täuschend echt…. Viel Spaß 😘

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    1. Philip Rings sagt:

      Noch ist es zu früh, Geschichten zu erfinden 😃

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  3. Swantje sagt:

    Hey Philip
    Der Koyote hört sich an wie ein Hahn im Stimmbruch😂
    Ich wünsche Dir eine super tolle Zeit. Pass gut auf dich auf.
    Liebe Grüße
    Swantje

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    1. Philip Rings sagt:

      Hey Swantje, vielen Dank! Liebe Grüße an die Sterntaler-Crew!

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  4. GerdGehirn sagt:

    Das Heulen kommt von dir! Ich hab deine Stimme erkannt 🧐 ich bin trotzdem sehr beeindruckt und freue mich auf weitere Berichte.

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    1. Philip Rings sagt:

      Ich beherrsche folgende Tier-Imitationen in Perfektion: 🐄, 🐖, 🦚 und 🐑. Koyoten gehören definitiv nicht dazu

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      1. Hanna sagt:

        Ich glaube du hast Ziege vergessen ??,?

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  5. Christine Rings sagt:

    Kann mich Papa nur anschließen.
    Machst du super 🙂

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