Independence – Bishop – Mammoth Lakes (959 Kilometer)

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Get your ass on the pass

Florian D. frei nach einem T-Shirt-Aufdruck

Nachdem die Zusammenführung mit Anna an den Rae Lakes erfolgreich war, nahmen wir uns die Worte des großen Philosophen drei Zeilen über diesen hier zu Herzen und schnürten die Trailrunner nochmal richtig fest, denn ab hier wurde es wirklich sportlich. Pro Tag mussten wir von nun an mindestens einen Pass überqueren, bei einem Schnitt von täglich 25-30 Kilometern. Das führte mitunter zu Klageliedern und Flüchen beim Aufstieg, aber ebenso euphorischen Gefühlsausbrüchen bei Erreichen des Gipfels. Was sich uns dort oben an Ausblicken und Panoramen geboten hat, lässt sich leider weder in Worten noch Fotos wirklich beschreiben. Vielleicht kann man es erahnen, wenn ich sage, dass ich mir jedes mal Hans Zimmer an unsere Seite wünsche, wenn wir einen Gipfel erreicht haben und in die Täler schauen. Auch wenn wir es im Vorhinein oft gelesen hatten und es einem von den Einheimischen immer wieder grinsend angekündigt wird, dass von nun an der schönste Teil des PCT beginnt: Wie besonders und spektakulär die Sierra ist, begreift man wirklich erst, wenn man sie für längere Zeit durchwandert. Man taucht in eine Wildnis ein, die abgesehen von ein paar versprengten Wanderern völlig unberührt bleibt. Jeden Tag wandert man an riesigen Seelandschaften vorbei, überquert donnernde Wasserfälle und Flüsse und der Anblick der gewaltigen Berge, die hinter und vor einem liegen, erfüllt einen immer wieder mit Ehrfurcht (nicht zuletzt weil man weiß, dass man da gleich hoch muss^^). Wie fernab der Zivilisation man hier ist, zeigt sich auch am Verhalten der Tiere. Man wird überhaupt nicht als Bedrohung wahrgenommen. Die Hirsche, Murmeltiere und Streifenhörnchen laufen sogar teilweise neugierig auf uns zu. Manchmal fühlt es sich hier wirklich an, als wäre man Teil eines Disney-Settings aus den 50ern und wir alle kleine Schneewittchen, denen die Vögel und Hörnchen auf die Schulter springen, um ein Liedchen zu trällern.

Aber nun genug der Schwärmerei. Jetzt wird es aufregend!

Es erscheint nach wie vor fast unmöglich, aber zwischen diesem Video:

und diesem hier liegen nur knapp 4 Stunden.

Was ist passiert? Tja, trotz aller gewissenhaften Planung und mehrmaligem Checken der Wetterlage sind wir am John-Muir-Pass in einen Schneesturm geraten. Die Wolken wurden zum Gipfel hin immer dichter und dunkler, der Wind wandelte sich in richtige Sturmböen und schließlich setzte der Schnee ein. Da wir allem Anschein nach die einzigen Wanderer sind, die immer noch mit Eisaxt und Microspikes ausgerüstet sind, schlug jetzt unsere große Stunde und das mühselige Schleppen der 2-3 Kilo extra sollte sich endlich auszahlen! 💪Die Spikes machten das Gehen auf den vereisten Schneefeldern um einiges leichter. Immer schwieriger gestaltete sich jedoch die Orientierung, da Sturm und Schnee immer mehr zunahmen. Glücklicherweise konnten wir immer wieder Spuren von anderen Wanderern erkennen und somit dem Weg bis zum Gipfel folgen. Wir wussten, dass dort oben eine Schutzhütte steht, in die wir uns verkriechen können, sobald wir es geschafft haben. Daher war es nicht ganz so dramatisch. 🙂 Der Aufstieg auf diesen Pass ist auch nicht so wild, da er nicht steil ist und man dementsprechend an keiner Stelle irgendwo abstürzen kann. An einem der anderen Pässe (z.B. Forester) hätte es bei einer solchen Wetterlage anders ausgesehen, aber da wären wir auch ab einer bestimmten Stelle umgekehrt! Hier ein kurzes Video von dem Moment, als wir die Hütte erreicht haben:

Und siehe da, wir waren nicht die einzigen, die dort Zuflucht suchen mussten! 🙂

Insgesamt saßen dort schon 7 Leute und es sollten immer mehr werden. Die Stimmung war gut und jeder hatte den Plan, früher oder später wieder aufzubrechen, sobald der Schnee ein wenig nachlassen würde. Wir waren nach einer ausgedehnten Kaffeepause dann sogar die Ersten, die wieder den Rucksack schnürten und Richtung Tal aufgebrochen sind. Warum? Weil wir von allen (siehe oben) die beste Ausrüstung hatten, der Weg runter sehr flach war und daher harmlos, Wind und Schnee auf der anderen Seite des Passes uns nicht ganz so heftig entgegen schlugen und wir nicht zuletzt natürlich aufregende Abenteuergeschichten zuhause erzählen möchten! Es ging dann auch alles gut. Es war zwar immer noch sehr nass und kalt, aber der Weg war leichter zu finden und so kamen wir nach knapp 4 Stunden an einem wunderschönen See an, die Sonne legte plötzlich einen grandiosen Auftritt hin und begleitete uns die letzten Meilen bis zu unserem Zeltplatz. Die beiden Szenerien an diesem Tag könnten nicht unterschiedlicher sein. Aber der John-Muir-Pass ist für seine ausgedehnten Schneefelder bis in den August hinein bekannt. Warum es nur dort so ist? Ich tippe auf eine Wetterhexe, die dort oben ihr Unwesen treibt…

Die restlichen Tage ging es dann bei bestem Wetter in Richtung Mammoth Lakes, wo wir uns heute Abend das größte T-Bone-Steak gönnen, das der Ort zu bieten hat! Jetzt gerade im Moment würde ich das ganze Rind bestellen! 🐂

Hier wie immer ein paar Bilder der letzten Tage:

2 Kommentare

  1. Ingeborg sagt:

    Dramatische Eelebnisse., die du da beschreibst . das war ja ganz schön gefährlich, du bist ganz schön mutig.

    Gefällt 1 Person

    1. Philip Rings sagt:

      Hey Ingeborg! So dramatisch war es gar nicht, nur sehr sehr kalt 🙂

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